Starke Ersthelfer: 10 Jahre Partner-Projekt ERLEBEN
Christopher Scheele, Koordinierungsstelle Partner-Projekt "ERLEBEN": "Die Corhelper sind eine wichtige Ergänzung in der Rettungskette."
Kris Graham Taylor von der Einsatzleitstelle Landkreis Vechta: "Wir erhalten zum Corhelper-System sehr viele positive Rückmeldungen aus dem Team."
„ERLEBEN – Erhöhung der Überlebensraten nach Herzstillstand“ ist durch das Land Niedersachsen gefördert. Im Einsatz ist die Ersthelfer-App „Corhelper“. Die App koordiniert ortsnah die Entsendung von qualifizierten Ersthelfenden zur Wiederbelebung an den Einsatzort. Denn: Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. Der Notruf 112 setzt dabei die Rettungskette in Gang.
Weitere Projektziele: die Erhöhung der Anzahl von Ersthelfenden, die flächendeckende Schulungen und regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse, die Erfassung und Etablierung externer Defibrillatoren (AED) an öffentlich zugänglichen Plätzen, die Schaffung einer öffentlichen Anerkennung der Ersthelfer und die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit bei den Menschen durch "Bürger helfen Bürgern"
Die Koordinierungsstelle von „ERLEBEN“ ist seit 2024 durch die Malteser im Oldenburger Land besetzt. Wir sprachen zum Tag des Notrufs (11.2.) mit Malteser Christopher Scheele über das Projekt, dessen Erfolg und das Prinzip der Ersthelfer-App.
Herr Scheele, das Projekt „ERLEBEN“ setzt auf die Ersthelfer-APP „Corhelper“. Wie funktioniert diese App genau?
Scheele: Ganz einfach! Die Leitstelle alarmiert nach Eingang eines entsprechenden Notrufs über die 112 den Rettungsdienst. Gleichzeitig werden über die App die registrierten, freiwilligen Ersthelfenden in der Nähe geortet, und zum Einsatzort geleitet. Das GPS im Smartphone ermittelt dabei, welche Freiwilligen in der Nähe sind. In der Regel sind sie bereits nach wenigen Minuten am Einsatzort und leisten Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst eintrifft. Ein weiterer Corhelper erhält parallel dazu Informationen zum nächstgelegenen Defibrillator, der öffentlich-zugänglich zur Verfügung steht. Dieser wird zum Patienten gebracht und angewandt. Der Rettungsdienst übernimmt die weitere medizinische Versorgung.
Welche Bedeutung hat dieses First-Responder-System für die Rettungskette?
Eine wichtige! Die Corhelper ergänzen die Rettungskette an einer sensiblen Stelle – sie überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und führen frühzeitig und qualifiziert Reanimationsmaßnahmen durch.
Nach einem Herzstillstand vergingen im Jahr 2024 im Bundesdurchschnitt vom Absetzen eines Notrufs über die 112 bis zum Eintreffen eines Rettungsfahrzeugs genau 6,47 Minuten. Das sind Angaben des Deutschen Reanimationsregisters. Corhelper sind die entscheidenden Minuten früher am Einsatzort. Da bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand das Herz kein Blut mehr durch den Körper pumpt, erhalten die Organe einschließlich des Gehirns keinen Sauerstoff mehr. Das kann schnell lebensbedrohlich werden. Wird nicht sofort Hilfe geleistet, kann das innerhalb von Minuten zum Tod führen.
Es liegt auf der Hand, dass das Potential dieses First-Responder-Systems darin liegt, besonders in ländlichen Regionen wie dem Oldenburger Land die Überlebensrate nach Herzstillstand zu steigern. Die Corhelper-App ist bewusst einfach gehalten. Sie liefert übersichtlich die notwendigen Angaben wie Vordiagnose, Einsatzort, Navigation und Wegezeit. Es reicht aus, mit einem Klick den Einsatz anzunehmen, wenn man schnell vor Ort sein kann.
Wie hat sich das Projekt und damit der Einsatz von Corhelpern entwickelt. Können Sie Zahlen nennen?
Ja. So ist zum Beispiel der Anteil der Einsätze, bei denen mindestens ein Corhelper am Notfallort war von 65 % im Jahr 2022 auf 83 % im Jahr 2025 gestiegen. Ein sehr positiver Trend. Die Anzahl der registrierten Ersthelfenden in der Corhelper-App ist auch stetig angestiegen. Zuletzt sogar sprunghaft: Anfang 2025 waren es rund 6.800, Ende 2025 lagen wir bei knapp 8.300.
Dabei ist natürlich zu beachten, dass die Dichte in den Städten höher ist. Der Alarmierungsradius ist immer so gewählt, dass in wenigen Minuten qualifizierte Ersthelfende vor Ort sein können. In den Landgemeinden ist daher die Dichte an registrierten Ersthelfenden im Verhältnis geringer. Besonders hier könnten wir Verstärkung gebrauchen (lächelt).
Corhelper kann jeder werden, der einen Ersthelfer-Qualifikationsnachweis vorweist. Eine Registrierung bei der Corhelper-App bedeutet übrigens nicht, dass man immer und ständig erreichbar sein muss. Man entscheidet selbst, wann man erreicht werden kann. Wichtig: Wenn man den Einsatz ablehnt, hat das keine rechtlichen Folgen.
Während des Einsatzes: Wie sind die Erfahrungen im Zusammenspiel von Leitstellen, Laienhelfern und Rettungsdienst?
Die Kolleginnen und Kollegen in den Leitstellen haben eher keinen oder wenig direkten Kontakt zu den Corhelpern. Sie geben aber denjenigen, die den Notruf 112 abgesetzt haben, bis zum Eintreffen der Corhelper über Telefon Anleitung zur Reanimation. Ich bin ja selbst als aktiver Ersthelfer bei der App registriert und hatte bereits Einsätze. Daher kann ich aus eigener Erfahrung und aus Angaben von Kolleginnen und Kollegen des Rettungsdienstes sagen: Das Zusammenspiel klappt hervorragend. Wenn der Rettungsdienst den Patienten übernimmt, wechseln die Corhelper zudem häufig in die Erstbetreuung der Umstehenden bis das Kriseninterventions-Team vor Ort ist.
Wie können Außenstehende das Projekt ERLEBEN unterstützen?
Oh, danke für die Frage. Da gibt es drei Möglichkeiten:
1. Selbst Corhelper werden und Ersthelfer-Qualifikationsnachweis hochladen. Link: www.projekt-erleben.de/die-app/
2. Einen öffentlich zugänglichen Defibrillator melden, ob in öffentlichen Gebäuden, Banken oder Unternehmen. Bitte dann auf unserer Website ERLEBEN den AED-Gerätestandort eintragen. Link: https://www.projekt-erleben.de/aed-geraetestandorte/
3. Über das Projekt ERLEBEN und die Corhelper-App reden – in der Familie, im Freundeskreis, unter Kolleginnen und Kollegen, mit dem Arbeitgeber etc..
Das Interview führte: Ulrike Berg
Weitere Stimmen
Kris Graham Taylor, Ständiger Vertreter Leiter Einsatzleitstelle, Landkreis Vechta
„Wir erhalten zum Corhelper-System sehr viele positive Rückmeldungen aus dem Team, weil wir täglich sehen, welchen Unterschied es machen kann. Die schnelle Unterstützung der Betroffenen vor Ort durch Corhelper ist für alle Beteiligten ein enormer Mehrwert. Sie sind dabei ein wichtiger Bestandteil der Rettungskette, weil sie die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit lebenswichtigen Maßnahmen überbrücken.
Und auch beim Eintreffen des Rettungsdienstes bleiben die Corhelper eine wertvolle Ergänzung, die unterstützend mitwirken – sei es durch das Fortführen der Maßnahmen, durch Übergabe wichtiger Informationen oder durch Unterstützung bei der Versorgung vor Ort.
Wichtig: Jeder kann Erste Hilfe leisten – und niemand ist dabei allein. Unsere Mitarbeitenden in der Notrufzentrale begleiten die Ersthelfer am Telefon Schritt für Schritt, bis professionelle Hilfe vor Ort ist.“
Alexander Helmke, Notfallsanitäter, Rettungswachenleiter Vechta/Visbek
„Aus persönlicher Erfahrung sind Corhelper an der Einsatzstelle immer einer Bereicherung. Sie können auch noch unterstützen, wenn wir vom Rettungsdienst die Reanimation übernommen haben. Je mehr sich bei der Herzdruckmassage abwechseln können, umso besser. Weitere Unterstützung leisten die Corhelper während einer Reanimation auch immer wieder beim Lagern oder Bedienen der Trage bedienen
Mechthild Vornhusen-Habe, Projektkoordinatorin „ERLEBEN“, Landkreis Vechta
„Das schon 2016 begonnene Projekt der sieben Partner ist ein einmaliges und innovatives Leuchtturmprojekt. Wir freuen uns, dass wir die Lebensrettung in die digitale Welt begleiten können. Je mehr Menschen sich als Ersthelfer registrieren, umso erfolgreicher ist das geniale System."
Wie werde ich Ersthelfer oder Ersthelferin? Wie läuft ein Einsatz ab?
Die Antworten darauf gibt es unter diesem Link: www.projekt-erleben.de/die-app/
Alles zur Corhelper-App gibt es unter diesem Link: www.corhelper.de
Informationen: www.projekt-erleben.de